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Bericht im Kölner Stadt-Anzeiger (10. September 2004):

Strukturen der gepressten Kunst

Künstlerin pflegt spezielle Technik und will nicht im Rahmen bleiben

Fundstücke aus der Natur baut die Rösrather Künstlerin Monika Barfknecht in ihre Bilder ein - auf ungewöhnliche Weise.

VON INA SPERL

Kleineichen - Leuchtend rot hebt sich die Hagebutte vom weißen Büttenpapier ab. Die Kerne sind aus der aufgeplatzten Frucht getreten und haben sich unregelmäßig verteilt. Gleich daneben ist der dunkle Abdruck eines Rindenstücks zu sehen. Doch weder gemalt noch fotografiert ist das Motiv, sondern mittels einer Druckerpresse entstanden, durch die Monika Barfknecht ihre mit Farbe versehenen Fundstücke laufen lassen hat.
Auf einem anderen Blatt windet sich in sanftem Rostton Stacheldraht, der wie ein gedrehtes Seil aussieht. Mit Jute entstand eine karierte, fransige Struktur, und blühende Grashalme sind sofort wiederzuerkennen. "Natur im Dialog" heißt die Serie von Bildern, die Monika Barfknecht als ihren künstlerischen "Durchbruch" bezeichnet. Im vergangenen Jahr machte die 39-Jährige mit ihren Bildern in der regionalen Kunstszene von sich Reden. Sie stellte in Rösrath aus und verkaufte viele Werke.

KULTUR IN PERSON

"Ich war schon immer kreativ", sagt Monika Barfknecht. Ihre Mutter ist Keramiklehrerin, eine Freundin Künstlerin, da lag der Schritt, selber etwas auszuprobieren, nah. 1994 fing die Forsbacherin an, Aquarelle zu malen, Arbeiten in Öl folgten. Nach einer Familienpause wollte sie nicht in ihren Beruf als Sozialpädagogin zurück. "Ich muss immer etwas mit den Händen machen", sagt sie. "Das liegt mir und macht mir Spaß." Dabei will sie immer wieder Neues ausprobieren. "Ich finde es zum Beispiel nicht schön, immer im Rahmen bleiben zu müssen." So schnitt sie mitunter Löcher in die Leinwand, nähte sie wieder zu. Auch bei Radierungen fragte sie sich bald: "Was kann man mit der Platte denn sonst noch machen?" Dann begann sie, sich die Druckerpresse auf ungewöhnliche Weise zunutze zu machen, in dem sie keine geritzten Metallplatten durchzog, sondem Pflanzenteile. Das Ergebnis sind Bilder, auf denen sich Holzmaserungen schwarz auf weiß abdrücken, die Deckelchen von Mohnkapseln wie feine Zeichnungen aussehen oder Stahlwolle eine Wolkenstruktur ergibt. Barfknecht drehte Sand und Salz durch die Presse, Äpfel und Zwiebelblüten. So entstanden Bilder, die auf großes Interesse bei den Kunstinteressierten in der Region stießen. Barfknecht präsentierte sie gemeinsam mit japanischen Kurzgedichten: Durch Zufall hatte sich eine Zusammenarbeit mit der Japanologin Claudia Grimm ergeben, die zu den Bildern passende Haiku suchte - eine Kombination, die Barfknecht gut gefiel. Bis dahin hatte sie ihre Kreativität als "lockeres Hobby" betrachtet, mehr nicht. "Dann haben mich andere überzeugt, dass es Kunst ist." Schließlich waren die Naturbilder auch die ersten, die sie als etwas wirklich eigenes erkannte. "Ich habe nicht so eine hohe Meinung von meinen Bildern", sagt die Mutter zweier Kinder. "Sie gefallen mir. Aber ob es Kunst ist, müssen andere entscheiden."

Vielfalt

Auch als "Künstlerin" sieht sie sich noch nicht so ganz: "Es ist einfach ein Teil von mir, aber ich bestehe auch aus vielen anderen." Auf eine Sache fixieren möchte sie sich nicht: Ich will lieber alles mal ausprobieren, baue auch Gemüse im Garten an." Mann und Kinder unterstützen sie bei ihren Prozessen und sind gleichzeitig große Kritiker.
Wenn sie kreativ ist, kann sie richtig abschalten: "Ich denke in neue Richtungen und lasse das Alltagsgeschehen hinter mir." Noch hat sie kein Atelier zu Hause, "aber ich träume mal von einem eigenen im Garten."
Mehr noch als das Ergebnis ist es der Weg, der für Barfknecht zählt: "ich will Erfahrungen sammeln. Das Schlimmste wäre, jetzt stehen zu bleiben." Dass das passiert, ist jedoch unwahrscheinlich: Soeben hat sie mit etwas Neuem, der RakuTechnik, begonnen. Die japanische Art, Ton zu brennen, lässt feine Risse in der Glasur entstehen und färbt die Keramik schwarz, metallische Effekte können entstehen. Wahrscheinlich findet Raku bald einen Weg in Barfknechts Bilder.

Künstlerin Monika Barfknecht präsentiert ein BildMonika Barfknecht presst Fundstücke aus der Natur durch Farbe und Siebe.
BILD: ROLAND U. NEUMANN